Corona Umfrage – Haben sich die Ängste & Sorgen der Bewerber:innen bewahrheitet?

Wenn wir uns über Zoom zum gemeinsamen Spieleabend verabreden, wegen eines leichten Schnupfens einen Corona-Test machen oder uns beeilen, um vor 21.00 Uhr zu Hause zu sein, dann ist eines gewiss: Corona hat unsere Welt noch immer fest im Griff.

Doch blicken wir einmal zurück. Gerade zu Beginn der Pandemie war die Unsicherheit, vor allem bei vielen Menschen auf Jobsuche, groß. Wir haben die Situation damals genauer unter die Lupe genommen und im März 2020 eine Umfrage zu dem Thema ,,Welche Ängste & Sorgen haben Bewerber:innen in Coronazeiten?“ gestartet. Diese Umfrage zeigte, dass die Sorgen und Ängste auf Seiten der Bewerber:innen sehr präsent waren. Gleichzeitig standen aber auch viele Teilnehmer:innen der zunehmenden Digitalisierung, wie dem Arbeiten im Home Office oder einem virtuellen Onboarding, offen gegenüber. 

Heute, ein Jahr später, möchten wir wissen, ob sich diese Sorgen und Ängste der Bewerber:innen bewahrheitet haben und welchen Eindruck Bewerbungsprozesse im letzten Jahr hinterlassen haben. Dazu haben wir noch einmal genauer nachgefragt. An der Umfrage haben bisher insgesamt 89 Personen teilgenommen, bei denen der Bewerbungsprozess aktuell noch läuft oder bis vor kurzem lief. Die Befragten waren zwischen 16 und 65 Jahren alt, darunter hatte die Gruppe der 16- bis 25-Jährigen einen Anteil von 70%. Der Befragungszeitraum dieser Umfrage war die Kalenderwoche 7 bis 10.

Die Sorge, keinen neuen Job zu finden, war groß

Vor allem zu Beginn der Pandemie im März 2020 war die Ungewissheit groß. Viele Bewerber:innen hatten die Sorge, in Zeiten von Corona keinen Job zu finden. So befürchteten letztes Jahr fast zwei Drittel aller Befragten keinen Job zu finden. Bei Bewerber:innen die zu diesem Zeitpunkt jobsuchend waren, befürchteten sogar ganze 91,3% große Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche.

War diese Sorge berechtigt? Unsere aktuelle Umfrage zeigt, dass über ein Drittel der Teilnehmer:innen in Zeiten von Corona einen Job gefunden hat und sich 40,5% noch in einem Bewerbungsprozess befinden. Entgegen der anfänglichen Befürchtungen bei 66% der Befragten konnte ein Großteil von ihnen eine Anstellung finden. Lediglich 20% gaben an, bei der Stellensuche nicht erfolgreich gewesen zu sein.

Großteil der Befragten vermuteten einen Stellenabbau

In unserer Umfrage vom letzten Jahr herrschte bei kaum einer Frage so viel Einigkeit wie bei dieser: ,,Welchen Einfluss, glaubst du, hat Corona auf die Personalsituation von Unternehmen?‘‘. Über 76% aller Teilnehmer:innen waren sich sicher, dass die die Corona-Krise für einen Stellenabbau in Unternehmen sorgen würde. Nur 1,2% gingen davon aus, dass neue Stellen geschaffen würden.

Es scheint so, als sollten die Befragten Recht behalten. Auch rückblickend nahmen über 74% der Befragten einen Stellenabbau wahr, während nur knapp 5% das Gegenteil berichteten.

Allerdings gaben 8,3% der Befragten, die sich auf mehrere Stellen beworben hatten, an, dass Unternehmen zusätzliche Stellen schafften. Es ist durchaus denkbar, dass diese Wahrnehmung vom individuellen Bewerbungsverhalten beeinflusst wurde.

Die Corona-Krise als Beschleuniger für die zunehmende Digitalisierung der Recruitingprozesse

Digitalisierung ist und bleibt ein wichtiges Thema. Gerade in Zeiten der Pandemie ist sie für Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen unverzichtbar. Wenig überraschend meinten bereits im März 2020 fast 83% der Befragten, dass Recruitingprozesse zukünftig noch digitaler gestaltet werden würden. Ausschließlich 12% stellten diese Vermutung in Frage und erwarteten, dass Corona keinen Einfluss auf Bewerbungsprozesse haben würde.

In unserer aktuellen Umfrage ist klar zu sehen, wie Bewerber:innen den Einfluss von Corona bisher auf Recruitingprozesse wahrgenommen haben. Während nur knapp 8% sagen, dass die Prozesse gleich geblieben sind, bemerkten über 91% einen digitalen Einfluss.

Die Corona-Krise stellt für fast zwei Drittel der Befragten, sowohl heute als auch vor einem Jahr, einen großen Beschleuniger für die zunehmende Digitalisierung von Recruitingprozessen dar. Sie sind der Meinung, dass Unternehmen ihre Prozesse langfristig digitalisieren werden. Ein Viertel glaubt, dass Unternehmen zwar jetzt ihre Prozesse digitalisieren, nach der Krise jedoch zu den analogen Prozessen zurückkehren werden. Besonders interessant ist, dass 60,3% der 16-25 Jährigen an eine langfristige Digitalisierung glauben und dieser Wert bei den 26-35 Jährigen mit 84,6% noch übertroffen wird.

Die Befragten wünschen sich digitalisierte Lösungen – auch um Bewerbungsprozesse wieder zu beschleunigen

Viele Vermutungen vom letztem Jahr hinsichtlich der Recruitingaktivitäten lassen sich mit der aktuellen Umfrage bestätigen. So glauben 64,7%, dass Unternehmen keine Vor-Ort-Interviews mehr durchführen würden und knapp 40% nahmen an, dass Unternehmen vermehrt auf zeitversetzte Video Interviews setzen würden.   

Die Zahlen in der folgenden Grafik spiegeln eine ähnliche Situation wider. Nach dem heutigen Empfindungen der Bewerber:innen zu urteilen, haben sich viele Unternehmen das zeitversetzte Video Interview zu Nutzen gemacht, das ein kontaktloses und gleichzeitig persönliches Kennenlernen sicherstellt. 

Ein auffälliger Unterschied zeigt sich in dem Punkt ,,Unternehmen pausieren ihre Recruitingaktivitäten‘‘. Entgegen der Erwartung von fast 50% der Befragten nahmen rückblickend nur 15,7% ein Pausieren des Bewerbungprozesses wahr.

Trotz Corona gab über ein Fünftel aller Teilnehmer:innen der aktuellen Umfrage an, dass Bewerbungsprozesse schneller abliefen als vor der Pandemie. Im Jahr zuvor vertraten nur 8,4% dieser Auffassung. Dies könnte auf die Digitalisierung zurückzuführen sein, durch die viele Schritte im Bewerbungsprozess vereinfacht und beschleunigt werden konnten.

Haben sich seit Corona neue Chancen bei der Jobsuche ergeben?

Abschließend haben wir die Teilnehmer:innen der aktuellen Umfrage zu neuen Chancen bei der Jobsuche befragt. Die Teilnehmer:innen teilten Ihre Einschätzungen in Form offener Antworten mit, wobei sich kein einheitliches Bild abzeichnete. Während sich für einige keine neuen Chancen ergeben hatten, konnten andere Befragte durch die Digitalisierung von neuen Perspektiven profitieren.

Haben sich seit Corona neue Chancen für Unternehmen bei der Suche nach Mitarbeiter:innen ergeben?

Fazit: Herausforderungen, aber auch neue Chancen durch Corona

Die Pandemie löste zu Beginn bei einem Großteil der Bewerber:innen viele Sorgen und Fragen aus. So hatten letztes Jahr fast zwei Drittel aller Befragten Angst, keinen Job zu finden, über drei Viertel rechneten mit einem Stellenabbau und fast jeder Zweite vermutete, dass Unternehmen ihre Recruitingprozesse erst einmal pausieren würden. Gleichzeitig regte sich aber auch der Wunsch nach mehr Digitalisierung und die Hoffnung ,,endlich den Schritt ins digitale Zeitalter zu machen“.

Wir ziehen Bilanz: Nach fast einem Jahr haben sich einige Sorgen in der Tat bestätigt. So haben drei Viertel der aktuell befragten Bewerber:innen – und damit mehr als im letzten Jahr vermutet – einen Stellenabbau erlebt. Entgegen der anfänglichen Sorgen gab es jedoch auch einige positive Überraschungen. Über ein Drittel aller Befragten fand zu Coronazeiten einen Job und über 40% befinden sich noch im Bewerbungsprozess. Außerdem nahmen nur 15,7% der Teilnehmer:innen ein Pausieren des Bewerbungprozesses wahr.

Diese Zahlen zeigen, dass es auch in herausfordernden Zeiten neue Chancen gibt. Gerade die Digitalisierung bietet eine große Chance. Bei den offenen Fragen gaben viele der Befragten an, vom Home Office und digitalen Bewerbungsprozessen zu profitieren. Bei einem Fünftel der Unternehmen spürten Bewerber:innen sogar einen schnelleren Bewerbungsprozess, der auf die notwendige Digitalisierung zurückzuführen sein könnte.

Die aktuelle Zeit ist nach wie vor schwierig und viele Sorgen und Ängste von Bewerber:innen sind begründet und nachvollziehbar. Nichtsdestotrotz bieten sich auch neue Chancen und Perspektiven, die wir nutzen können und sollten.