DEN UNTERNEHMENSUMBAU MIT AGILITÄT GESTALTEN TEIL 2

In Teil 1 unseres Blogs zum agilen Unternehmensumbau sind wir zunächst auf das Thema Agilität und Selbstorganisation eingegangen. Teil 2 beleuchtet näher, welche Anforderungen und Aufgaben für Führungskräfte durch die neuen Organisationsformen entstehen.

Agilität bedeutet Leadership übernehmen

Im Zuge agiler, selbstorganisierter Unternehmen werden Hierarchien zunehmend aufgeweicht. Führung wird nicht überflüssig, sondern wandelt sich hin zum Leadership. Ziel ist es, dem Team seine Freiheit zu lassen. Statt starre Regeln vorzugeben, fungiert die Führungskraft als Visionär und schafft die erforderlichen Rahmenbedingungen für agiles Arbeiten. Die Aufmerksamkeit liegt nicht mehr auf Inhalten und Anweisungen. Führungskräfte greifen nicht mehr direkt in die Arbeit der agilen Teams ein, sondern beobachten und unterstützen die Organisations- und Arbeitsprozesse.

Neue Aufgaben und Anforderungen für Leader

Leadership bedeutet also: Ein Team mit Visionen zu inspirieren und zu motivieren damit Kreativität und Innovation in neuem Maße entstehen kann. Dazu kommen auf Führungskräfte einige neue Aufgaben und Anforderungen zu: Sie sollen die Neugestaltung von Prozessen moderieren, die Arbeitnehmern bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen unterstützen und Abläufe vereinfachen. Dabei auch die Kommunikations- und Unternehmenskultur stets im Auge behalten. Im Grunde lässt sich agile Führung in drei Aufgaben-Gruppen unterteilen: Struktur, Support und Strategie.

1. Strukturen schaffen

Völlig strukturlos kann auch ein agiles Team nicht arbeiten. Es gilt, klare Strukturen zu schaffen und einen groben Rahmen zu stecken. Dazu gehört es auch, Aufgaben zu definieren und festzuhalten, Budgets bereit zu stellen und zu verhandeln sowie Timings über die Organisationsteams hinweg zu ermöglichen.

2. Support gestalten

Hier gilt es für die Führungskraft Unterstützer und Koordinator zu sein, der die einzelnen Teams in Sachen Altersstruktur, Erfahrungen und Kompetenzen ideal aufstellt. Agile Führung bedeutet, dafür zu sorgen, dass den Teams sämtliche notwendigen Ressourcen zur Verfügung stehen. Leader im agilen Unternehmen fungieren stets als Ansprechpartner für Sorgen, Probleme und Wünsche. Dafür sind Feedbackschleifen und Lernprozesse zu etablieren und störungsfreies Arbeiten zu ermöglichen.

Zu den Aufgaben der Führungskraft zählt auch, für solche Mitarbeiter da zu sein, die erhöhte Verantwortung, Freiheit und Ergebnisorientierung eher ablehnen und diesen ggf. klare Prozesse und Abläufe vorzugeben. Denn ihnen Selbstorganisation aufzwingen, wäre der falsche Weg.

3. Strategie definieren

Die „neuen Leader“ sind auch für eine übergreifende Unternehmensstrategie verantwortlich. Dabei gilt es, die Ziele für Teams und einzelne Mitarbeiter gemeinsam festzulegen, damit jeder Mitarbeiter die gesetzten Ziele auch als seine eigenen empfindet. Ein Hauptteil der Arbeit wird zukünftig im strategischen Bereich liegen. Ein operatives Eingreifen gibt es für Führungskräfte praktisch kaum noch.

Kommunikation als Kernkompetenz

Damit die vielen verschiedenen, autonomen Einheiten optimal dem übergreifenden Unternehmensziel dienen und letztendlich die Kundenbedürfnisse erfüllen oder gar übertreffen, braucht es Kommunikatoren.

Agiles Führen bedeutet, heterogene Teams zu „steuern“ und somit mit Menschen unterschiedlichster Hintergründe, aus verschiedenen Ländern, Kulturen, Generationen und Fachbereichen zu kommunizieren. Führungskräfte sind die Kontaktperson zwischen den einzelnen Teams und Ebenen der gesamten Organisation. Ihnen fällt es zu, Aufgaben und Leistung der Teams mit den Erwartungen der Kunden abzugleichen und gegebenenfalls für eine schnelle Anpassung zu sorgen.

Unternehmensalltag & Wandel

Im Unternehmensalltag bedeutet die neue Führungsrolle im Grunde: Leader zu sein. Sich für die Menschen sowie ihre Belange zu interessieren. Das wirkt sich positiv auch auf den Wandel hin zum agilen Unternehmen aus. Darüber hinaus zählen folgende Aufgaben zu seinen Aktivitäten:

1. Den Weg vom Null-Toleranz-Prinzip hin zu Tiral-and-Error Ebnen:

In alten Strukturen bedeutete Führen von Veränderungen vor allem Investitionssicherheit. Für den erfolgreichen agilen Wandel müssen Führungskräfte auch mal nicht auf Nummer sicher gehen. Lieber einfach mal machen lassen und Fehler akzeptieren, statt auf der Stelle zu stehen. Zudem können eigene Fehler auch ideale Lernquellen für einzelne Mitarbeiter, Teams und das ganze Unternehmen sein.

2. Ziele, Vision und Strategie als Leitplanken festlegen:

Es gilt, Ziele, Vision und Strategie als eine Art Leitplanke für das Team festzulegen und eine Zeit vorzugeben, bis zu der gewisse Aufgaben erledigt sein sollten. Wie und mit welchen Mitteln die Ziele dann erreicht werden, liegt im agilen Unternehmen ausschließlich bei den Mitarbeitern selbst. Führungskräfte sollten ihren Mitarbeiter mehr zutrauen und diese fordern. Es geht darum die Mitarbeiter beim Festlegen der Ziele einzubeziehen. Agile Leader zeigen Mitarbeitern die übergeordneten Ergebnisse konkret auf und stellen sicher, dass Zeit und Takt eingehalten werden. Sie lassen den Mitarbeiter bei allem dazwischen jedoch freie Hand und sorgen störungsfreies Arbeiten.

3. Richtungsweiser und Kommunikator sein:

Bestehende Aufgaben sind anders zu fokussieren, zu gestalten und zu priorisieren. Die Führungskraft agiert noch stärker als Richtungsweiser und Kommunikator. Die Aufgaben von Führungskräften verändern sich also weg von Steuerung und Kontrolle, hin zu permanenten Moderation und Organisation von Veränderungen im Unternehmen. Führungskräfte von heute sind die Change Manager von morgen, denn es gilt, sich und sein Team kontinuierlich weiterzuentwickeln und schnell auf Veränderungen zu reagieren.

Fazit

Agilität bringt somit einige Anforderungen an Führungskräfte mit sich. Sie müssen Vorbild, Innovator, Visionär, Motivator und Talentmanager sein. Das bedeutet im Grunde: Als Führungskraft in agilen Unternehmen, benötigt man eine große Bandbreite an unterschiedlichen Führungsstilen und Kompetenzen. Nur so ist möglich, Mitarbeiter situativ zu führen und weiterzuentwickeln. Es gibt daher nicht den einen, agilen Führungsstil. Vielmehr ist eine auf die individuellen Bedürfnisse des Unternehmens und der Mitarbeiter zugeschnittene Mischform verschiedener Stile gefragt.