KANDIDATENANSPRACHE – DIE ZWEI GESICHTER DES ONLINE-RECRUITING

Die Digitalisierung hält zunehmend Einzug in fast alle Unternehmensbereiche. Nur das Human Ressource Management hinkt häufig noch hinterher. Dieses Manko beginnt bereits bei der Kandidatenansprache. Zwar schafft es der HR-Bereich, seine Prozesse teilweise zu digitalisieren, dennoch hat sich beispielsweise die mobile Optimierung von Bewerbungsprozessen noch nicht vollständig für jeden Schritt durchgesetzt . Hier droht den Unternehmen, wertvolle Bewerber bei der Kandidatenansprache schon am Anfang des Prozesses zu verlieren.

Bewerbungsprozesse noch immer nur teilweise mobil

Noch immer kommt die Mehrzahl der Anstellungen klassisch über Stelleninserate. Etwa 91 Prozent derer, die im letzten Jahr einen Job begonnen haben, suchten diesen auch aktiv selbst. Ausgefeilte Stellenanzeigen sind daher essenziell. Doch in Zeiten der Digitalisierung reicht dies längst nicht aus. Denn nur, wenn die Stellenanzeigen für mobile Endgeräte optimiert sind , ebenso wie die eigenen Karriereseiten, gelingt es den Unternehmen, die richtigen Kandidaten und Young Professionals anzusprechen. Diesen Trend haben heute die meisten Unternehmen erkannt. Sie handeln jedoch noch nicht konsequent danach. Viele haben responsive Karriereseiten und bieten Ihre Stelleninserate auch auf mobil optimierten Karriereportalen wie Xing, LinkedIn, StepStone oder Meinestadt.de an. So erreichen Sie die richtige Zielgruppe. Gleichzeitig sind die eigenen Stellenanzeigen auch für die digitale Welt optimal aufbereitet. Doch bei dem eigentlichen Bewerbungsprozess , also dem Moment, ab dem potenzielle Bewerber ihre Daten an Unternehmen übermitteln möchten, entsteht bei einem großen Teil der Firmen ein Medienbruch . Denn die Prozesse zur Übermittlung der Daten, Lebensläufe und Zeugnisse und somit das Kernstück des Bewerbungsprozesses, sind häufig noch nicht für die mobile Welt optimiert. Die Kandidatenansprache erhält hier einen medialen Bruch.

Mobile Bewerbungsprozesse konsequent umsetzten

Ein solcher Medienbruch schreckt gerade Talente, die bereits in einem festen Job sind und nicht unbedingt wechseln müssen, häufig ab . Die beste mobil optimierte Stellenanzeige bringt nichts, wenn der Bewerber dann erst einmal nach Hause fahren, den Desktop PC beziehungsweise Laptop hochfahren und die Stelle noch einmal heraussuchen muss, bevor er seine Bewerbung absenden kann. Außerdem schreckt ihn das Verfassen eines Anschreibens ab. Hierfür müssen zum Teil einige Stunden für die Entwicklung aufgewendet werden. In einem Markt, der sich inzwischen zu einem Arbeitnehmermarkt gewandelt hat, schreckt dies zusätzlich viele engagierte und hochkompetente Interessenten ab. Die Responsequote sinkt und die Kandidatenansprache entwickelt sich ins Negative. Damit den Unternehmen diese wertvollen Mitarbeiter „nicht durch die Lappen gehen“, gilt es, die Prozesse konsequent der digitalen Transformation und den Marktveränderungen anzupassen . Das bedeutet also, dass auch die Bewerbungsmöglichkeiten für mobile Geräte optimiert sein müssen. Das gilt sowohl für die Bewerbungsformulare als auch das Bewerbungsmanagementsystem, die Beurteilungs- und Auswahlverfahren. Die mobilen Bewerbungsmöglichkeiten so einfach und reduziert wie möglich halten. Das bedeutet unter anderem, das langwierige, umfangreiche Anschreiben wegfallen. Nur die wichtigsten Daten sollten abgefragt werden. Es geht darum die Kandidatenansprache so leicht und einfach wie möglich für die Interessenten zu gestalten. Ausführliche Informationen und Zeugnisse lassen sich bei Passung der zentralen Kriterien aus dem CV in einem späteren Schritt der Candidate Journey noch immer erfragen. Moderne, mobile Bewerbungen konzentrieren sich also zunächst auf wenige Fakten . Werdegang und bisher erbrachte Leistung stehen zunächst im Mittelpunkt. Passen die grundlegenden Informationen und Daten zum Unternehmen und der ausgeschriebenen Stelle, bietet es sich beispielsweise an, ein kurzes Follow-Up Telefonat zu führen. Anschließend kann, bei beiderseitigem Gefallen, der potenzielle neue Mitarbeiter noch immer die notwendigen Unterlagen zusenden. Wer schon im ersten Schritt nicht auf die Einschätzung der Motivation und Persönlichkeit des Bewerbers verzichten möchte , kann beispielsweise Video-Bewerbungen einsetzten. Über diese Bewerbungsform lassen sich diese Faktoren sogar noch besser beurteilen, als über althergebrachte Anschreiben. Für welche Stellen sich verkürzte, mobile Prozesse anbieten , muss das Personalmanagement dabei individuell entscheiden . Außerdem gilt es, aktiv zu kommunizieren, dass das Unternehmen die Möglichkeit der mobilen Bewerbung anbietet. Zudem muss jede Bewerbung, egal ob über Smartphone, E-Mail oder per Bewerbungsformular, gleichwertig behandelt und beurteilt werden.

Kontinuierliche Evaluierung der Kandidatenansprache und der mobilen Bewerbungsprozesse

Wer den Bewerbungsprozess konsequent an die digitale Unternehmenswelt anpassen möchte, sollte auch die wichtigsten Kennzahlen im Auge behalten. Nur so finden Unternehmen heraus, ob sich die bisher ergriffenen Maßnahmen im Rahmen der Kandidatenansprache gelohnt haben. In wie fern die richtigen Methoden für die jeweilige Position und den jeweiligen Fachbereich eingesetzt werden und ob Bewerber damit zufrieden sind. Hierfür gibt es einige Kennzahlen, die es regelmäßig zu evaluieren gilt:
  • die Anzahl der Bewerbungen über den mobilen Kanal
  • das Verhältnis der Einstellungen zur Anzahl der Bewerbungen für den mobilen Kanal
  • die Time-to-Fill, also die Zeit, die von der Personalbedarfsmeldung bis zur Besetzung notwendig ist
  • die Kosten pro Stellenbesetzung
  • die Zufriedenheit der Fachabteilungen
  • Darüber hinaus ist es wichtig, immer wieder die Candidate Experience abzufragen, um eventuelle Schwachstellen im Bewerbungs- und Recruiting-Prozess rechtzeitig aufzudecken.

Fazit

Wenn Sie als Unternehmen Young Professionals und Talente vor Ihren Wettbewerbern in Ihr Unternehmen holen möchten, ist ein konsequent mobil optimierter Bewerbungsprozess im Rahmen der Kandidatenansprache essenziell . Gerade die junge Generation springt schnell frustriert ab, wenn sie sich nicht bequem, schnell und von überall aus bewerben kann. Zwar ist die Umstellung diesbezüglich mit einigem Aufwand verbunden, insgesamt zahlt sich dies jedoch aus . Sie finden mehr geeignete Kandidaten, erhöhen die positiven Erfahrungen im Rahmen der Candidate Journey und sparen Zeit und Kosten durch effizientere und kürzere Abläufe.