PERSÖNLICHKEIT IM BEWERBUNGSPROZESS Teil 2

Nachdem wir im letzten Blogartikel auf die Bedeutung der Persönlichkeit aus Sicht der Bewerber eingegangen sind, wollen wir nun einen Blick auf das Thema aus Sicht des Unternehmens werfen. Inzwischen schaut der Großteil der Arbeitgeber nicht mehr vorrangig auf Abschlussnoten und fachlichen Qualifikationen, sondern auf die Soft Skills und damit auf die Persönlichkeit von Bewerbern. Die persönlichen Eigenschaften von Berufseinsteigern und Young Professionals sind somit zum wichtigsten Auswahlkriterium für Unternehmen geworden. Spezifische fachliche Eignungen können immer noch „on the job“ erworben werden. Persönlichkeit hingegen ist ein relativ stabiles Merkmal, das noch bedingt geformt werden kann. Interessant ist auch die Tatsache, dass jedes fünfte Unternehmen bei der Gewinnung von Berufseinsteigern sogar schon ein Augenmerk auf deren Wertvorstellungen hat. Für 19 Prozent von Arbeitgebern ist Technisches Know-how ein wesentliches Differenzierungsmerkmal, wenn es darum geht ein Jobangebot zu unterbreiten. Nur noch für elf Prozent der Firmen ist es wichtig, dass ihre Mitarbeiter über Sprachkenntnisse in mehreren Fremdsprachen verfügen. Zu diesen Ergebnissen kam die Studie “Karriere Insights“ von Stepstone.

Persönlichkeit und Berufseinsteiger

Gerade bei Berufseinsteigern sollte im Vordergrund stehen, ob der Kandidat in das Team seiner zukünftigen Kollegen passt. Für einen großen Teil (59 Prozent) von rekrutierenden Unternehmen stellen absolvierte Praktika darüber hinaus ein wichtiges Entscheidungsmerkmal bei Young Professionals dar. Junge Bewerber mit wenig oder gar keiner Berufserfahrung haben weniger Chancen auf einen Job. Darüber hinaus lässt sich festhalten: Haben zwei Bewerber ein vergleichbares Profil, entscheidet oft neben der Persönlichkeit der höhere Abschluss. Fast jedes dritte Unternehmen bevorzugt in solchen Fällen Absolventen mit einem Master-Abschluss. Dort wo zunächst nur wenig Berufserfahrung, gleiche Abschlüsse und ähnliche Noten vorhanden sind, stellen die Soft Skills und die Persönlichkeit das zentrale Unterscheidungs- und Entscheidungskriterium dar. Darum ist es so wichtig, dass sich Berufseinsteiger auch neben ihrer Ausbildung z.B. sozial engagieren und längere Praktika absolvieren. Hier können sie wertvolle Erfahrungen im Austausch und Miteinander im beruflichen Umfeld machen.

Persönlichkeit entwickeln: Der Job formt den Charakter

In einer Langzeitstudie der belgischen Ghent Universität in den 90er Jahren widmeten sich die Forscher dem Persönlichkeitsmerkmal „Extraversion“. Dabei stellten sie fest, wer besonders extrovertiert war, wurde im Laufe der Jahre zwar nicht noch extrovertierter. Er entwickelte aber in dieser Zeit Persönlichkeitsmerkmale, die vorher nicht oder zumindest nicht so ausgeprägt waren, die aber für eine noch bessere Anpassung an den Job sorgten. So wurde ein Extrovertierter der Manager wurde nicht noch extrovertierter, um weiter zu kommen und Karriere zu machen. Auch ein weniger dieser Eigenschaft hilft nicht; sie hat ihn immerhin dorthin gebracht. Allerdings wäre ein hohes Maß an Gewissenhaftigkeit gut, um seine Funktion als fürsorglicher Zuhörer und effektiverer Manager zu stärken. Und genau das passierte laut den Studienergebnissen mit den Teilnehmern auch: Wer Karriere machte, dessen Persönlichkeit wurde auch durch den Beruf verändert.

Persönlichkeit entscheidet auch über die Jobzufriedenheit

Persönlichkeit entscheidet nicht nur darüber, welche Jobangebote jemand erhält. Sie entscheidet auch darüber, wie zufrieden eine Person im späteren Leben mit dieser Position ist. So konnte folgendes ermittelt werden:
  • Extrovertierte Menschen sind in der Regel zufriedener mit Ihrem Job
  • Eine stärkere Ausprägung der Gefühlsebene führt zu mehr Zufriedenheit
  • Wer an seinen Entscheidungen festhält, ist eher zufriedener im Job
  • Rationale Entscheidungen bringen mehr Geld – persönliche Werte erhöhen die Zufriedenheit
  • Mehr Verantwortung und eine Führungsposition sind nicht automatisch Indizien für mehr Zufriedenheit im Job
  • Mehr Geld alleine macht also nicht glücklich.

Fazit

Soft Skills und Persönlichkeit sind die ausschlaggebenden Kriterien für Arbeitgeber, die darüber entscheiden welche Kandidaten ein Jobangebot erhalten. Sie stehen vor der fachlichen und technischen Qualifikation eines Bewerbers. Wichtig ist dabei auch, ob der Kandidat in das Team seiner zukünftigen Kollegen passt. Praktika unterstützen dabei Soft Skills und bereits angelegte Persönlichkeitsmerkmale zu trainieren. Durch die Berufstätigkeit können dann noch gewisse Persönlichkeitseigenschaften wie z.B. Gewissenhaftigkeit ausgebaut werden. Anlage und Umwelt ergänzen sich somit.