MIT AGILITÄT GELINGT DER UNTERNEHMENSWANDEL TEIL 1

Das Leben und Arbeiten ist extrem schnelllebig und turbulent geworden. Zu Zeiten der Industrialisierung und bei stabiler Wirtschaftslage war eine hierarchische Organisationsstruktur Garant für den Erfolg. Dies ändert sich fundamental. Unternehmen brauchen Agilität. Mit zunehmendem Konkurrenz- und Kostendruck galt es bereits umzudenken. „Lean“-Management musste her, wie in den 90ern bei Opel eingeführt.

Doch in Zeiten wie heute verpassen Unternehmen schnell den Anschluss, wenn sie sich nicht verändern und den neuen durch die Digitalisierung bestimmten Rahmenbedingungen anpassen. Agile Methoden, die weit über Scrum und Kanban hinausgehen, müssen her, um Flexibilität und Geschwindigkeit zu gewährleisten. Diese breiten sich von der Softwareentwicklung kommend Stück für Stück in den Unternehmen aus. Sie treiben den Wandel im digitalen Zeitalter voran. Selbstorganisation, Autonomie, kollegiale Führung und Agilität sind da nur einige Begriffe, die zunehmend wichtiger werden.

Doch den agilen Unternehmensumbau zu gestalten ist nicht so einfach. In unserer zweiteiligen Serie zum agilen Unternehmen erfahren Sie mehr zu dem notwendigen agilen Wandel in Organisationen. Teil eins gibt eine Einführung zum Thema Agilität und Selbstorganisation. Teil zwei beleuchtet die Anforderungen an Führungskräfte und Unternehmen, die dadurch entstehen, näher.

Agile Management Methoden sind gefragt

Märkte werden zunehmend dynamisch und gefühlt gibt es täglich neue Technologien. Der Innovationsdruck in den Unternehmen steigt spürbar und die jüngste Generation Arbeitnehmer strömt zudem auf den Arbeitsmarkt. Dabei bringen sie komplett neue Arbeits- und Kommunikationsgewohnheiten mit. Das alles sorgt für hohe Ungewissheit in den Firmen und macht Planbarkeit schwer. Innovative Ausrichtung auf den Kunden ist gefragt – Unternehmen müssen daher schnell und flexibel auf die teilweise unberechenbaren Marktentwicklungen reagieren können.

Die Organisationsformen und Größen, die aufgrund dieser Veränderungen entstehen, sind zwar teilweise sehr unterschiedlich. Doch eines liegt ihnen allen zugrunde: Sie sollen den Spagat zwischen notwendiger Stabilität und Flexibilität schaffen. Das heißt nicht, dass Führung komplett überflüssig wird. Führungsebenen wird es immer geben. Denn Mitarbeiter brauchen auch in den agilsten Strukturen eine klare, gemeinsame Linie und Ziele, auf die sie hinarbeiten können. Führung wird sich in Leadership wandeln und für die passenden Rahmenbedinbgungen sorgen. Dabei werden sich die Hierarchien in Unternehmen auflösen. Daher stellt sich vor allem die Frage, wie mit den aktuellen Strukturen dennoch das Gleichgewicht von Stabilität und Flexibilität erreicht werden kann.

Was ist Agilität?

Doch was bedeutet Agilität genau? Um den Wandel hin zum agilen Unternehmen zu schaffen, muss man zunächst verstehen, was Agilität bedeutet, was es dazu braucht und ganz besonders, wo das eigene Unternehmen gerade steht?

Das klassische Modell, wie es in vielen Unternehmen noch heute praktiziert wird: Es gibt fest definierte Strukturen, Strategien und Prozesse. Sie werden von oben nach unten vorgegeben und die Mitarbeiter führen lediglich aus. Die zentrale Entscheidungen werden allein auf oberster Ebene getroffen. Zumeist hat diese Gruppe klare Regeln und Vorstellungen, wie und bis wann sie Aufgaben zu erledigen haben. Mit etwas Glück gibt es eine Feedbackschleife von unten nach oben. Doch das ist eher die Ausnahme als die Regel.

Projekte durchzubringen und abzuschließen dauert so meist mehrere Monate oder gar Jahre. Und dann war plötzlich ein Wettbewerber schneller. Der Anschluss ist verpasst. Damit dies nicht geschieht, benötigt ein Unternehmen heute die Fähigkeit, seine Strukturen und Prozesse kurzfristig an neue Gegebenheiten anzupassen. Damit verbunden benötigen die Mitarbeiter die Freiheit wesentliche Inhalte und Vorgehensweisen selbst zu entscheiden. Es braucht sowohl Dynamik, aber auch Stabilität. Dafür ist eine neue Denk- und Arbeitsweise unabdingbar. Und zwar im gesamten Unternehmen. Und genau das bedeutet „Agilität“.

Agile Prinzipien kommen ursprünglich aus der Softwareentwicklung. Doch werden sie mehr und mehr zu allgemeingültigen Arbeitsprinzipien. Sie sind dazu da, die hierarchische Trennung von Entscheidern und Anführern zu überwinden und gewährleisten somit erhöhte Reaktionsgeschwindigkeiten. Das Ganze basiert auf selbstorganisierten, autonom agierenden und möglichst kleinen Teams. Die Arbeitszyklen sind kurz und in kleine Pakete verpackt. Orientierung bieten übergreifende Probleme, die es zu lösen gilt sowie Kundenerwartungen und Wünsche, die erfüllt werden sollen. Dabei wird das Feedback der Kunden immer wieder in den Arbeits- und Entwicklungsprozess integriert und entlang deren Bedürfnissen gearbeitet.

Was bedeutet Selbstorganisation und Autonomie?

In selbstorganisierten Unternehmen gibt es keine starre, hierarchische Führung. Die Teams führen sich selbst. Führung ist nur nicht mehr an bestimmten Personen oder Positionen festgemacht. Verantwortung tragen alle im Team, in ihrer organisationalen Einheit. Die Aufgaben werden auf unterschiedliche Rollen aufgeteilt. Wer diese wann ausführt, das wird gemeinsam im Team entsprechend der Kompetenzen, Aufgabenstellungen und Interessen festgelegt.

In vielen Unternehmen ist ein Großteil der Mitarbeiter nicht motiviert, das ergab eine Umfrage in den USA. Unmotivierte Mitarbeiter sind aber Gift für den Unternehmenserfolg. Selbstorganisation und „Involvement“ der Mitarbeiter kann dem Abhilfe schaffen. Denn wer frei mitentscheiden kann, wie, wann und mit welchen Mitteln er seine Arbeit erledigt, der fühlt sich ernst genommen und begeistert sich mehr für seine Aufgaben. Das wirkt sich wiederum positiv auf die Motivation aus und führt zu deutlich besseren Arbeitsergebnissen. Die Teammitglieder sind viel näher am Kunden und haben die richtigen Einblicke, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können und das schnell und flexibel.

Unternehmen wie Spotify leben es vor. Zunächst wurde Scrum eingeführt. Doch selbst die Regeln, unter denen diese weitgehend agile Methode läuft, waren bei vielen Teams irgendwann zu starr. So wird dort nun in verschiedenen, autonomen Einheiten gearbeitet. Zugrunde liegen eine gemeinsame Vision, Mission und Ziele. Die Einheiten sind verbunden wie ein roter Faden. Die Unternehmensleitung gibt zwar vor, welche Probleme gelöst werden müssen. Wie, wann und mit welchen Mitteln das geschieht und wie sich die Einheiten dabei organisieren – das alles können sie frei entscheiden. Das Video veranschaulicht dies https://www.youtube.com/watch?v=4GK1NDTWbkY

Wichtig: Selbstorganisation funktioniert jedoch nur dann, wenn sich die Mitarbeiter auch selbst organisieren wollen. Diese Form der Organisation darf also auf keinen Fall erzwungen werden. Wie Unternehmen solche Möglichkeiten für sich nutzen können und welche Anforderungen dadurch vor allem an Führungskräfte entstehen, erfahren Sie im zweiten Teil unserer Beitragsreihe zum Thema agile Unternehmen.